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Sind Banken die Burgen von heute?

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Burgen und Banken haben auf den ersten Blick wenig gemeinsam. Natürlich hinkt jeder Vergleich, aber auch hinkende Vergleiche ermöglichen überraschende Einsichten: Was lernen wir aus dem Zerfall der einst stolzen Wahrzeichen der Region?

Burgen sind gebrochen worden, zerstört im in den selbstmörderischen Urluogen (Kleinkriegen) der spätmittelalterlichen Krieger- und Adelskaste: Ihre ursprüngliche Aufgabe, Stabilität und Sicherung der Wege sowie Schutz der Bevölkerung, hatte sich in einem völlig deregulierten politischen Umfeld ins Gegenteil verkehrt: Unterdrückung der Untertanen und Raubrittertum auf den Strassen; gegenseitige Selbstzerstörung und Volksaufstände der verschiedenen Eidgenossenschaften besorgten den Burgenbruch, der Rest zerfiel durch Funktionslosigkeit (falls nicht die neuen Herren hier ihre Verwaltungszentren errichteten wie etwa in Sargans und Werdenberg, die erst durch die bürgerliche Revolution um 1800 obsolet wurden).

Heute sind in einem durch den Neoliberalismus weltweit deregulierten wirtschaftlichen Umfeld finanzielles Raubrittertum und Abkoppelung der Bankenwelt von der Realwirtschaft zwei Merkmale des aktuellen Bankensektors. Dessen Funktion, Sicherung des Geldverkehrs und finanzielle Alimentierung der Wirtschaft, droht sich ins Gegenteil zu verkehren: Unsicherheit bis hinunter zu den kleinsten Renten, abenteuerliche Spekulationen und Beutezüge, Plünderung der Staatskassen: Riesige Staatsschulden zusammen mit riesigen Bankengewinnen.

Die „Heilungs-„ oder Reformversuche der Politik zugunsten der betroffenen Bevölkerung sind bis jetzt eher hilflose Gesten mit viel Rhetorik. Peter Siegenthaler, Direktor der Eidgenössischen Finanzverwaltung, hofft bezüglich den Banker-Boni noch immer, dass die Branche zu normaleren Verhältnissen zurückkehrt: «Die Tatsache, dass die Boni hoch bleiben, macht mich ein wenig ratlos» (Sonntagsblick). Gegen die schädliche und masslose Abzockerei der Finanzadelskaste ballt selbst der US-Präsident Obama (Yes, we can!) bloss die Faust, will aber immerhin das Geld des Volkes zurückfordern. Bis hinunter zu den Aktionärsversammlungen der grossen Geldadelsgesellschaften spürt man die derzeitige Aussichtslosigkeit, zu vernünftigen, anständigen, mit dem gesunden Menschenverstand aufrechenbaren Verhältnissen zurückzukehren.

«Gegen den Markt können Sie keine Revolution machen,» triumphierte der UBS-Konzernchef Grübel (SonntagsZeitung) und räumte sogar ein, die Risiken seien bis in die jüngste Vergangenheit immer vom Investmentbanking gekommen, in Zukunft werde sich dieses Geschäft bei den Grossbanken «ganz anders» entwickeln. Schöne Worte. Aber nichts mehr. An den Taten möchten wir den Geld-Adel messen!
Was aber können wir, was kann die Politik tun? Die Merz’sche Finanzpolitik beschränkt sich grob gesehen auf niedrige Vasallendienste für die ganz Grossen, die ganz grossen Gauner des Bankenplatzes Schweiz, die mit illegalen Machenschaften den Beinahe-Gau ausgelöst haben, ohne dass sie moralisch oder rechtlich dafür belangt werden.
Gefragt sind jetzt politische Sicherheitsplanken gegen das finanzielle Raubrittertum. In weltweiter Zusammenarbeit. Nicht bloss das typisch schweizerische „Abwarte, zuluege – und immer halt no es bitzeli profitiere“.

Freiheit ist ein hohes Gut es fragt sich zu wessen Gunsten die Freiheit unter dem Neoliberalismus politisch ausgestaltet worden ist! Immer noch wird diese „Freiheit“ der Mächtigen, der Banken und Konzerne, gegen internationale Solidarität und wirtschaftliche Gerechtigkeit mit Milliardenspritzen perpetuiert.

Fazit: Die quasi Monopol-Paläste der Banken sind wie einst die Burgen Wahrzeichen undemokratischer Machtzentren.
Und noch etwas: Eine Volks-Partei, die vorgibt, die Interessen des Volkes zu vertreten, sollte, statt ständig auf die Classe Politique (= Staat minus SVP) zu schiessen und Steuerabbau zugunsten der Reichen zu fordern oder den Sozialmissbrauch zu bekämpfen, auch einmal die Abzocker-Classe capitaliste mit ihren Missbrauch unserer demokratischen Errungenschaften ins Visier nehmen.

Otto Ackermann, Fontnas

 
Veröffentlicht am 18.01.2010
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